Ein Offizier und ein Gentleman – die Leiden eines jungen Vorgesetzten.

„Wir wollen Dich in der Truppe“, haben sie gesagt.

„Offi sein macht voll Spass“, haben sie gesagt.

„Ein Offi hat nur Ruhm und Ehre und darf ansonsten fauler sein, als alle anderen“, haben sie gesagt.

Rückblicken möchte ich dies wie folgt kommentieren: einen alten Scheissdreck! 😉

Es schreibt:

Ja, es hat mich erwischt. Seit einem dreiviertel Jahr bin ich nun Offi bei  R3Ys und schlafe seit dem schlecht, ziehe mich ab und an in ein kleines Kämmerchen zum Weinen zurück und hab mir auch schon überlegt, diesem Leben „Adieu“ zu sagen um im nächsten dann als sorgloser Marienkäfer wiedergeboren zu werden.

Nein, ganz so schlimm ists natürlich nicht. Aber, es fällt schon auf, das man als Offi immer wieder vor ähnliche Aufgaben treten muss, deren Lösung zur Zufriedenheit aller nicht immer einfach ist. Eigentlich gibt’s in der modernen Spielewelt von SWGOH nur zwei grosse Problemfelder, die man wie folgt definieren kann:

1. Das Spiel (das eher kleinere Problemfeld)
CD/EA hat ursprünglich ein „Handy“-Spiel entwickelt, das mittlerweile an Komplexität seines gleichen sucht. Man hat hunderte Währungen, nie genug Rohstoffe und man muss sich immer entscheiden, welchen Weg man den nun einschlagen möchte, um nicht der letzte in der Arena zu sein. Die verschiedenen Elemente und der Umstand, dass man sich den Fortschritt sehr teuer dazu kaufen kann, machen das Ganze nicht einfacher.  Es wurden und werden Spielmechaniken entwickelt, bei denen es schon eines tiefen Einblickes bedarf, um sie zu begreifen.

2. Die Menschen (das Hauptproblem 😉 )
CG/EA hat recht schnell kapiert, das der beste Content und die größte Bindung zum Spiel über echte Menschen funktioniert. Dementsprechend liegen große Schwerpunkte in den Arenen und den Gildenaktivitäten. Mittlerweile macht dieses „Community-Ding“  sicher über 50% des Spiels aus. Vom Prinzip her kein Problem – allerdings wissen wir ja alle: Menschen sind mal echt schwierig.
Die Hauptaufgabe eines Offis besteht in meinen Augen in der Wissensvermittlung und der Mediation. Dazu kurz ein Beispiel:

Mate A fragt seit Tagen Stunguns bei den Spenden an. Nebenher spendet er alles Mögliche „grüne“ Zeugs an Mate B und C. Nachdem A dann über eine Woche keine einzige Spende bekommt, fängt er lauthals an, sich bei B und C zu beschweren: „Ich habe Euch mein Haus und Hof hinterlassen! Jeden Tag Spende ich Euch und ihr nie was zurück! Ihr Saftsäcke! Scheiss Gilde!“

B und C lassen sich das natürlich nicht gefallen und reden mit D-G darüber, was A doch für ein Sack ist, weil er ja immer nur die seltenen Stunguns anfragt. Und hier kommt dann der Offi ins Spiel, der zuerst mal versucht, wieder eine sachliche und offene Diskussionseben herzustellen. Dann erklärt er B und C, das sie nicht immer alles so persönlich nehmen sollen. Danach D-G, das Lästereien Mädchenzeugs ist und A, dass es wirklich nicht besonders schlau ist, gerade das Material zur Spende anzufragen, das wirklich jeder braucht. Das Ende vom Lied ist, das es nach der Diskussion nur einer der Böse ist: der Offi!

Ein Sturm im Wasserglas … dessen Lösung ab und an schon mal ne Woche dauern kann. Und das Beste dran ist, man glaubt ja: sodele, das ist jetzt durch, da muss ich sicherlich nie wieder was sagen … und vier Tage später kommt Mate V ums Eck, der meint, er verlasse die Gilde, weil ihm nie jemand Carbantis spendet ….

Ja, so als Offi muss man da manchmal schon eine gefestigte Persönlichkeit sein. Ich denke immer, neben der schnellen Aufnahmefähigkeit für Problemlösungen im Spiel und der Gabe, immer schon etwas „zu hören“ bevor es sich zu einem riesen Problem entwickelt, braucht ein Offi vor allem eins: Geduld! Nahezu unmenschliche Geduld. Und Verständnis. 

„Meine Oma hatte 95sten Geburtstag und ich weiß, dass es auf meine HT im Platoon ankam und das wir deshalb jetzt 2 Sterne weniger auf Geo haben … aber ist ja eh nur ein Handyspiel … tut mir sorry.“
Man freut sich natürlich für die Oma über ihr fast biblisches Alter, möchte aber ihrem Enkel am liebsten kein so langes Leben gönnen. Aber, was bringt es. Shit happens und die Aufgabe eines Offis ist es, sich Methoden zu überlegen, das ebenso ein „shit“ nicht mehr zwangsläufig passieren kann. Man kennt seine Mates im Laufe der Zeit und weiß, was sie umtreibt, wie sie ticken und das es die allermeisten nicht böse meinen.

Noch viel schlimmer ist: wir Offis sind ja auch alles Menschen – sprich: von Natur aus Schwierig. Aber, laut meinem Erfahrungsschatz gibt es hier entweder  komplette Solidarität (lasst uns alle zusammen weinen) oder es kommt von vorneherein zum ultimativen Zoff (ich bin viel hübscher und sollte eigentlich euer aller herrlichster Anführer sein, ich werf euch alle raus).

Ich denke, das alles kann man in den Griff bekommen. Mates und Offis sind anspruchsvoll aber nicht Hoffnungslos. Es gibt nur eine Art von Spieler, die man am besten weit von sich schickt und meidet, da sie immer wieder für Unruhe sorgen: die Querulanten.

Das sind Spieler, die sich Huckepack und Egoman auf den Rücken der Gilde klemmen, ohne selbst etwas vom Spiel zu wissen. Das sind die, die Streits provozieren nur um sich in den Vordergrund zu stellen und um sagen zu können: „ich habs ja schon immer gewusst“. Und das sind auch die, die als erstes das Schiff verlassen, wenn mal was nicht so klappt, wie geplant. Ich habe in meiner Karriere gottseidank noch nicht viele von diesen Spielern zu Gesicht bekommen, weiss aber, dass sie nicht nur die Nerven des Offis malträtieren sondern auch dafür sorgen, dass alle anderen Mates den Spass am Spiel verlieren. Deshalb möchte ich nicht mal dem Bataillon solche Querulanten wünschen – da eben diese allen den Spass am Spiel verderben. Und zum Spass sind wir ja schließlich da.

So, der Geo ruft und irgendjemand muss ja die inGame Beschriftungen machen, die dann wieder keiner liest ;).  Ich muss los. Aber, ich melde mich sicher die Tage wieder.

In der Zwischenzeit: stay dark … 

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